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Warum die Modebranche jetzt Rücknahmesysteme braucht
Die Textilindustrie hat ein Mengenproblem. In den letzten 20 Jahren hat sich die weltweite Produktion von Kleidung verdoppelt – während die Nutzungsdauer pro Kleidungsstück drastisch gesunken ist. Die Folge: Unmengen kaum getragener Kleidung landen auf Mülldeponien oder werden verbrannt – oft weniger als ein Jahr nach dem Kauf.
Rücknahmesysteme bieten eine Alternative zu diesem Wegwerfsystem. Sie ermöglichen es Marken, gebrauchte Textilien direkt von ihren Kund*innen zurückzuholen, Verantwortung für die eigene Produktverantwortung zu übernehmen – und den Materialkreislauf zu schließen.
In einer Zeit, in der Konsument*innen Transparenz fordern und regulatorische Anforderungen steigen, ist die Botschaft klar: Wer verkauft, muss künftig auch zurücknehmen.
Was ein Rücknahmesystem wirklich ist
Ein Rücknahmesystem ist mehr als nur eine Spendenbox im Store. Es ist ein strukturierter Prozess, bei dem Kund*innen gebrauchte Textilien zurückgeben können – idealerweise gegen eine Gutschrift oder einen Rabatt – und sichergestellt wird, dass die zurückgegebenen Teile bewertet, sortiert und wieder in Umlauf gebracht werden.
Je nach Zustand können Kleidungsstücke überarbeitet und als Secondhand verkauft werden. Stark beanspruchte Teile werden zu Isoliermaterial oder Putzlappen downgecycelt. In manchen Fällen werden Fasern recycelt und zu neuen Textilien verarbeitet.
Je datenbasierter der Prozess, desto höher der Wert, den eine Marke aus ihm ziehen kann. Und je einfacher die Rückgabe für Kund*innen, desto wahrscheinlicher ist der Erfolg.

Von Patagonia bis H&M: Wer macht’s vor?
Einige Marken haben Rücknahmesysteme bereits zum Bestandteil ihres Geschäftsmodells gemacht.
Das Worn Wear-Programm von Patagonia lädt Kund*innen ein, gebrauchte Artikel gegen Store Credit zurückzugeben. Die Kleidungsstücke werden repariert, gereinigt und als Secondhand weiterverkauft – und stärken damit das Markenversprechen von Langlebigkeit. Gebrauchte Produkte findest du hier.
H&M gehörte zu den ersten großen Marken, die Rückgabeboxen weltweit in Stores platziert haben. Zurückgebrachte Kleidung wird sortiert und dem Wiederverkauf, Recycling oder Downcycling zugeführt. Auch wenn das Programm nicht unumstritten ist, hat es breite Aufmerksamkeit für das Abfallproblem der Mode geschaffen. Ihr Motto: Let’s close the loop
MUD Jeans hat Rücknahme direkt ins Geschäftsmodell integriert. Kund*innen leasen ihre Jeans, tragen sie, und geben sie nach Gebrauch zurück. Die Fasern werden dann recycelt und für neue Jeans genutzt – ein echter Kreislauf.
Auch im Sportsegment gibt es Bewegung: Adidas testet Programme, bei denen gebrauchte Kleidung und Schuhe eingesammelt und in neue Funktionskleidung verwandelt werden.
Hinter den Kulissen helfen Startups wie koorvi Marken bei der Umsetzung – mit digitaler Infrastruktur, der Anbindung an Reparatur- und Recyclingpartner sowie Produkt-Tracking über den gesamten Rückgabeprozess hinweg.
Und wo liegen die Herausforderungen?
Rücknahmesysteme funktionieren – aber nur, wenn die Infrastruktur stimmt. Genau daran scheitert es oft.
Die größten Hürden?
- Die Sortierung großer Mengen gebrauchter Kleidung ist teuer, aufwendig und schwer zu automatisieren.
- Die meisten Kleidungsstücke sind nicht dafür gemacht, zerlegt oder recycelt zu werden.
- Viele Marken kommunizieren nicht transparent, was mit zurückgegebenen Artikeln geschieht – das untergräbt das Vertrauen.
- Die Wirtschaftlichkeit ist herausfordernd: Logistik, Verarbeitung und Kommunikation kosten, bevor sich Einsparungen oder neue Umsätze realisieren lassen.
Und dann gibt es noch das heikle Thema der Textil-Exporte: Ein erheblicher Teil der zurückgegebenen Kleidung wird in Länder verschifft, die keine funktionierende Abfallinfrastruktur haben. Das verursacht nicht nur Umweltprobleme – sondern auch Reputationsrisiken.
Warum Regulierung jetzt alles verändert
Bislang waren Rücknahmesysteme freiwillig – doch das ändert sich schnell.
Frankreich schreibt bereits Rücknahmeverantwortung (EPR) für Textilien gesetzlich vor. Marken müssen die Sammlung und Weiterverarbeitung ihrer Produkte nach der Nutzung finanzieren.
Die EU zieht nach. Ab 2027 sind entsprechende Rücknahmestrukturen in allen Mitgliedsstaaten Pflicht.
Auch in den USA – etwa in Kalifornien – entstehen ähnliche Gesetzesinitiativen.
Was das bedeutet? Die Zeit läuft. Marken, die heute in belastbare Systeme investieren, sichern sich nicht nur regulatorische Sicherheit – sie schaffen echte Wettbewerbsvorteile.
Rücknahme smarter gestalten – mit koorvi
Ein Rücknahmesystem auf dem Papier zu entwerfen ist das eine. Es über alle Kanäle, Touchpoints, Sortierprozesse und Vertriebspfade hinweg umzusetzen – das andere.
Hier kommt koorvi ins Spiel.
Wir unterstützen Marken aus der Mode- und Textilbranche mit der digitalen Infrastruktur, die sie brauchen, um Rücknahmeprozesse skalierbar und effizient umzusetzen. Von markeneigenen Rückgabeportalen über Zustandsbewertung und automatisierte Sortierung bis zur Anbindung an Wiederverkaufs- und Recyclingpartner – mit koorvi wird aus Rücknahme ein funktionierender Prozess.
Jeder Artikel wird erfasst. Jede Rückgabe liefert Daten. Jeder Schritt ist auf Effizienz statt Komplexität ausgelegt.
Eine zweite Chance ist gut fürs Geschäft
Die Zukunft der Mode ist zirkulär. Aber Zirkularität beginnt nicht beim Recycling – sondern bei der Verantwortung.
Rücknahmesysteme ermöglichen es Marken, ihre eigenen Kreisläufe zu schließen. Und gewinnen dabei mehr als nur ein grünes Image: Sie schaffen neue Touchpoints mit Kund*innen, reduzieren Abhängigkeiten von Rohstoffen und machen ihre Geschäftsmodelle zukunftsfähig.
Die Gewinner dieser Entwicklung? Das sind nicht die Marken mit den meisten Rückgabeboxen – sondern die, die wissen, was zurückkommt. Und was sie damit tun.
👉 Neugierig, wie ein smartes Rücknahmesystem für deine Marke aussehen könnte? Lass uns sprechen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Rücknahmesystem in der Textilindustrie?
Ein Rücknahmesystem ermöglicht es Kund*innen, gebrauchte Kleidung oder Textilien an Marken oder Händler zurückzugeben. Diese Artikel werden dann zur Wiederverwendung, zum Weiterverkauf, Recycling oder zur umweltgerechten Entsorgung weiterverarbeitet – mit dem Ziel, textile Abfälle zu vermeiden und die Lebensdauer von Materialien zu verlängern.
Wie tragen Rücknahmesysteme zur Nachhaltigkeit bei?
Sie verhindern, dass Kleidung auf Deponien landet, reduzieren den Bedarf an neuen Rohstoffen und schaffen Kreisläufe für Wiederverwendung oder textilem Recycling. Besonders effektiv sind sie, wenn sie mit Secondhand-Verkauf oder textile-to-textile-Recycling kombiniert werden.
Welche Marken haben erfolgreiche Rücknahmeprogramme?
Marken wie Patagonia, H&M, MUD Jeans und Adidas betreiben bekannte Programme zur Rücknahme oder Wiederverwertung. Manche bieten Gutschriften für Rückgaben, andere setzen auf Reparatur, Recycling oder Leasingmodelle.
Wird zurückgebrachte Kleidung wirklich recycelt oder wiederverwendet?
Nicht immer. Manche Stücke werden nur downgecycelt oder in Länder mit schlechter Abfallinfrastruktur exportiert. Deshalb sind Transparenz und ein funktionierendes System entscheidend – und notwendig, um Greenwashing zu vermeiden.
Gibt es gesetzliche Vorgaben für Rücknahmesysteme?
Ja. In Frankreich ist die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien bereits verpflichtend. Auch die EU schreibt entsprechende Strukturen ab 2027 vor. In Kalifornien und anderen Märkten entstehen ähnliche Gesetze.
Wie können Modeunternehmen ein effektives Rücknahmesystem aufbauen?
Dazu braucht es ein Zusammenspiel aus Kundenerlebnis, Logistik, Produktverfolgung und nachgelagerten Prozessen. koorvi hilft Marken dabei, digitale Rücknahmelösungen zu entwickeln, die skalierbar, transparent und nahtlos mit Wiederverkauf und Recycling verknüpft sind.